Wie jede Entwicklung bringt auch Künstliche Intelligenz Chancen und Schattenseiten mit sich.
Über die Chancen möchte ich heute gar nicht sprechen. Wir alle haben sie bereits selbst erlebt: mehr Produktivität, enorme Zeitersparnis und Informationen auf Knopfdruck. Darüber müssen wir nicht diskutieren – diese Möglichkeiten sind großartig und ich begrüße sie von Herzen.
Doch eine Schattenseite verdient besondere Aufmerksamkeit – gerade jetzt, wo KI zunehmend zu einem festen Bestandteil unseres Alltags wird.
Vor Kurzem ist mir etwas aufgefallen: KI verhält sich manchmal wie das Ego.
Was meine ich mit Ego? (Das ist meine ganz persönliche Definition – du kannst eine andere haben oder gar kein).. Für mich ist das Ego die Stimme in uns, die uns zu einer Handlung bewegt.
Sagen wir, du triffst eine Entscheidung und nimmst einen neuen Job an. Die Ego-Stimme sagt: „Ja, das ist eine großartige Chance! Das Gehalt ist besser, die Aufgaben sind spannend und dein jetziger Job führt ohnehin nirgendwohin. Worauf wartest du noch?“
Ein paar Monate später stellst du fest, dass der neue Job doch nicht zu dir passt. Die Aufgaben erfüllen dich nicht und auch die Unternehmenskultur fühlt sich nicht richtig an.
Und plötzlich meldet sich dieselbe Stimme wieder: „Siehst du? Hättest du dich besser informiert. Dein alter Job war doch viel besser.“
Egal, wie du dich entscheidest – das Ego findet fast immer etwas zu kritisieren.
Etwas Ähnliches habe ich bei KI beobachtet.
KI macht dir Vorschläge, bestätigt dich in einer Entscheidung – und wenn du dieselbe Frage später noch einmal stellst, kann sie genauso überzeugend die gegenteilige Position vertreten.
Genau das konnte ich beim Schreiben meines neuen Buches beobachtet.
Ich genieße den kreativen Prozess sehr und schreibe das Buch so, wie ich es schreiben möchte: mit meinen Gedanken, meiner Sprache und meinen Ideen. KI nutze ich nur, um Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu finden – nicht für die Inhalte. (Auch diesen Artikel habe ich durch die KI gejagt, um orthografische Fehler zu finden).
Vor Kurzem habe ich jedoch ein Experiment gemacht.
Ich lud ein Kapitel hoch und bat KI, die inhaltliche Kohärenz zu prüfen. Sie schlug vor, einen bestimmten Abschnitt umzuschreiben, weil der Text dadurch angeblich stimmiger wirken würde.
Die Begründung klang plausibel. Also überarbeitete ich den Abschnitt.
Eine Woche später lud ich dieselbe, bereits überarbeitete Version erneut hoch und stellte exakt dieselbe Frage: Bitte prüfe die inhaltliche Kohärenz.
Und siehe da: Dieses Mal kritisierte KI genau den Abschnitt, den sie mir zuvor empfohlen hatte umzuschreiben. Sie schlug vor, ihn erneut zu verändern.
Ich war verblüfft. Denn auch dieses Mal klang die Begründung überzeugend.
Was war nun richtig?
Die Antwort lautet: Vielleicht beides. Vielleicht keines von beidem.
Denn bei vielen kreativen Entscheidungen gibt es nicht die eine objektiv richtige Antwort.
Die einzige wirklich richtige Antwort ist oft deine eigene.
Die Stimme deiner Intuition. Dein Bauchgefühl.
Keine KI der Welt kann wissen, welches Buch du wirklich schreiben möchtest, für welchen Job du dich bewerben möchtest oder wie du dich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten solltest. Sie kennt weder deine Lebenserfahrung noch deine innere Wahrheit.
Und im KI-Zeitalter ist es so einfach, vieles outzusourcen – unsere Kreativität, unsere Intuition, das, was in uns entstehen möchte - und Antworten im Außen zu suchen.
Deshalb glaube ich, dass es in den kommenden Jahren wichtiger denn je sein wird, unsere Intuition zu pflegen, unserer Kreativität Raum zu geben und auf unsere innere Stimme zu hören.
Ich muss mich selbst immer wieder daran erinnern:
Nutze KI als fähigen Assistenten. Als klugen Helfer. Als Werkzeug.
Aber überlass ihr niemals das Steuer.
Denn die Richtung deines Lebens kennt nur einer: Du selbst.
Ich drücke dich,
Deine Gosia
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