Dein inneres Team: Wie du negative Emotionen auflöst

Mai 17 // 0 Kommentare

Vor Kurzem las ich diese Worte in einem wundervollen Buch "Leichter" von Yung Pueblo: 

"Heilung bedeutet nicht, dein Leben mit Vergnügen zu füllen oder nie wieder einen schweren Moment zu haben.

Es bedeutet, ehrlich zu sein und sich dem zu stellen, was du fühlst – damit es sich nicht auf ungesunde Weise anstaut.

Die schweren Momente zu durchleben ist besser, als unverarbeiteten Schmerz überall mit dir zu tragen."

— Yung Pueblo


Ich musste schmunzeln, wie passend diese Worte als Einstieg zum heutigen Thema sind.
Denn so oft hören wir:
Nimm deine Emotionen wahr, fühle sie.
Unterdrücke sie nicht.
Auch wenn sie unangenehm sind.
Denn nur so können sie sich auflösen und gehen, statt sich in Dir festzukrallen.
Und das ist wahr.
Hunderte Therapieansätze und psychologische Studien haben dies bestätigt.
Und wenn Du so wie ich bist, dann hast Du Dich vielleicht schon mal gefragt:


Schön und gut. Aber WIE mache ich das?

Wie nehme ich all diese unangenehmen Emotionen einfach so an?

Leichter gesagt als getan.

Ich habe in den letzten Monaten eine einfache Praxis für mich entwickelt, die genau das bewirkt:

Sie hilft mir, herausfordernde Emotionen wie Sorgen, Angst oder Überwältigung wirklich zu fühlen und ihnen Raum zu geben.

Ohne von ihnen überwältigt zu werden oder sie wegzuschieben.

So können sie sich zeigen, gehört werden und schließlich weiterziehen.

Ich dachte, vielleicht ist das auch etwas für Dich – deshalb teile ich es hier.

Das innere Team

Die Grundlage dieser Praxis stammt aus therapeutischen Ansätzen wie dem inneren Team nach Schulz von Thun und dem IFS (Internal Family Systems) nach Richard Schwartz.

Das Grundprinzip dieser Ansätze besagt:

Wir haben viele unterschiedliche Stimmen und Anteile in uns, die oft gegensätzliche Ziele verfolgen.

Du hast sicherlich schon einmal diese unterschiedlichen Stimmen in Dir wahrgenommen:

Etwa wenn eine Stimme in Dir sagt „Tu es!", während eine andere flüstert „Lass es lieber sein."

Viele dieser Stimmen stammen noch aus der Kindheit und beeinflussen uns auch als Erwachsene.

Manchmal können uns diese Stimmen ganz schön verrückt machen. 🤣

Das Geheimnis für mehr innere Ruhe und Balance ist, all diesen Stimmen und Anteilen in uns Raum zu geben, sich zu äußern – sie anzunehmen mit ihren Ansichten, statt gegen sie anzukämpfen.

Wenn Du Dich überwältigt oder gestresst fühlst, dann ist das oft ein Zeichen dafür, dass einer Deiner inneren Anteile aktiviert ist und sich äußern möchte.

Und hier kommt meine Praxis ins Spiel, die sich zumindest für mich in solchen Situationen als sehr wirksam erwiesen hat.

Der Stuhlkreis

Wenn ich merke, dass ich emotional aktiviert werde – Angst spüre, mir Sorgen mache oder einfach aufgebracht bin – setze ich mich kurz hin und schließe meine Augen.

Dann stelle ich mir vor, ich sitze in einem hellen, bunten Raum, auf einem bequemen Sessel.

Vor mir sehe ich einen Stuhlkreis mit bequemen Couches und Sesseln, bunt und einladend.

Ich atme tief ein und aus und lade die Emotion, die ich gerade am stärksten spüre, in meinen Stuhlkreis ein.

Ich lade diese Emotion ein, sich mir zu zeigen – als eine Person.

Meistens zeigen sich die Emotionen als Kinder, manchmal als Erwachsene.

Manchmal als fremde Personen, manchmal als ich selbst.

Alles ist erlaubt.

Dann lade ich die Person ein, sich bequem hinzusetzen, und ich frage sie:

„Wie geht es dir? Was möchtest du mir sagen?"

Und ich höre ohne Bewertung zu.

Sehr oft ist diese Person verärgert, ängstlich oder sie weint.

Ich höre mitfühlend zu, versichere ihr, dass ich sie verstehe – und dass es völlig in Ordnung ist, sich so zu fühlen.

Nachdem die Emotion alles gesagt hat, frage ich sie:

„Was brauchst du jetzt?"

Manchmal sagt sie:

Ich möchte einfach schlafen.

Oder: Ich möchte einen Spaziergang machen.

Oder: Ich möchte eine Umarmung.

Und manchmal sagt sie:

Ich will einen Lutscher! 😄

(Und um ehrlich zu sein – meine inneren Personen-Emotionen wollen oft einfach einen Lutscher, nachdem sie alles gesagt haben. Deswegen habe ich in meinem inneren Raum immer eine gut gefüllte Schublade davon. 🤣)

Danach lade ich meine Emotion (oder Emotionen) noch dazu ein, mir die Hand zu geben, und wir atmen dreimal tief ein und aus.

Dann verlassen wir den Stuhlkreis.

Das Ganze dauert nur ein paar Minuten.

Aber jedes Mal, wenn ich das mache, spüre ich eine Welle der Erleichterung und der Ruhe.

Und ich fühle mich mit mir selbst und meinem inneren Team mehr verbunden.

Denn die Annahme Deiner inneren Anteile stärkt Deine Selbstliebe.

Ich versuche, meinem inneren Team die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, wie ich sie meinen Kindern schenken würde.

Wenn sie weinen oder emotional sind, hilft es nicht, sie anzuschreien oder zu sagen: „Beruhige dich!"

Man muss sie zuerst liebevoll anhören, Verständnis zeigen – und erst dann ist eine rationale Lösung möglich.

Es ist nicht anders mit unseren Emotionen.

Seitdem ich diese kleine Übung praktiziere, spüre ich so viel mehr Freude und Gelassenheit in meinem Leben.

Probiere das gerne aus, wenn Du Dich das nächste Mal emotional überwältigt fühlst.

Deine Gosia ❤️




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